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Impfungen senken das Allergierisiko

Die Angst vieler Eltern, aber auch Ärzte, Impfungen im ersten Lebensjahr könnten das Allergierisiko erhöhen, ist nach den Ergebnissen einer großen deutschen Studie unbegründet. Impfungen haben demnach sogar einen leichten Schutzeffekt. Im bundesweiten Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) wurden von 2003 bis 2006 die Daten von mehr als 17000 Kindern und Jugendlichen bis 17 Jahre analysiert. Von insgesamt 15383 Kindern, die bereits das erste Lebensjahr vollendet hatten, lagen verwertbare Daten zu allergischen Erkrankungen und Impfungen vor. Bei knapp elf Prozent der Kinder war nach dem ersten Lebensjahr ein Heuschnupfen diagnostiziert worden. Und bei nahezu acht Prozent wurde eine Neurodermitis festgestellt sowie bei vier Prozent Asthma. Bei den Kindern, die bis zum Ende des ersten Lebensjahres alle von der STIKO empfohlenen Impfungen erhalten hatten, war die Krankheitshäufigkeit für keine der allergischen Erkrankungen erhöht, sondern sogar etwas geringer als bei Kindern, die nicht komplett geimpft waren. Die Krankheitshäufigkeit für Heuschnupfen war um 14 Prozent geringer, die für Neurodermitis um sieben Prozent und die für Asthma um etwa zehn Prozent (Allergo J 18, 2009, S20).


Studie stellt Hygiene-Hypothese infrage

Durch den Kontakt mit anderen Kindern erkranken Kinder in Kindestagesstätten oder in größeren Familien häufiger an Atemwegsinfektionen. Das schützt sie jedoch nicht vor späteren Allergien, wie die Hygienehypothese behauptet. Die Hygiene-Hypothese besagt, dass die heutige keimarme Umgebung die Entwicklung des Immunsystems während der Kindheit behindert. Da sie keine echten Krankheitserreger mehr bekämpfen müssen, suchen sich die Antikörper, stark vereinfacht ausgedrückt, „unechte“ Gegner in Form harmloser Allergene. Damit wurde der starke Anstieg von Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma erklärt. In einer neuen Studie wurde neben der Zahl der Geschwister auch erfasst, ob und ab welchem Alter die Kinder in Tagesstätten betreut wurden. Nach der Hygienehypothese sollten Hortkinder häufiger und früher als andere an Atemwegserkrankungen leiden, die eine Folge des Erstkontaktes des Immunsystems mit Viren und Bakterien in unserer Umwelt sind. Dies war auch der Fall. Kinder, die in den ersten beiden Lebensjahren in Tagesstätten betreut wurden, erkrankten doppelt so häufig an Atemwegsinfektionen, die in diesem Alter (wegen der noch sehr engen Atemwege) typischerweise mit einem Keuchen einhergehen. Wenn sie noch Geschwister hatten, war das Risiko sogar vierfach höher. Doch diese frühen Erfahrungen verschafften ihnen im weiteren Leben keine Vorteile. Bei einer allergologischen Abschlussuntersuchung im Alter von acht Jahren waren frühe Hortkinder nicht vor Allergien geschützt (American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine 2009; 180: 491-498).


ADHS ohne Therapie führt öfter zu Depressionen

Die Therapie mit Psychostimulantien bei ADHS wird immer wieder kritisiert. Eine Studie bestätigt jetzt aber, dass medikamentös behandelte Kinder seltener zusätzliche psychiatrische Erkrankungen bekommen. Ausgewertet für die Studie wurden Daten von 112 Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS). Die Teilnehmer waren als Kinder oder Jugendliche in die Untersuchung aufgenommen und zehn Jahre später auf zusätzliche psychiatrische Erkrankungen untersucht worden. Insgesamt 82 Prozent von ihnen waren dabei in den zehn Jahren mit Psychostimulantien behandelt worden. Die medikamentöse Therapie war im Schnitt mit knapp neun Jahren begonnen worden und dauerte sechs Jahre. Die mit Stimulantien behandelten Teilnehmer hatten im Vergleich deutlich seltener Depressionen, Angststörungen oder Störungen des Sozialverhaltens entwickelt. Auch hatten die Patienten mit medikamentöser Therapie seltener eine Schulklasse wiederholen müssen (Ped 124, 2009, 71).


Zusammenhang zwischen Übergewicht und Allergien

Bei Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht ist das Risiko für Allergien erhöht. Besonders Lebensmittelallergien kommen nach Beobachtungen amerikanischer Wissenschaftler bei übergewichtigen Kindern und Heranwachsenden im Vergleich zur Normalbevölkerung erheblich häufiger vor. Es wurden dafür die Daten von 4111 Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 2 und 19 Jahren ausgewertet. Die Wissenschaftler fanden einen auffallenden Zusamenhang zwischen Übergewicht und Allergien. Bei übergewichtigen Kindern war der IgE-Spiegel im Blut höher und übergewichtige Kinder hatten im Vergleich zu normalgewichtigen ein um 26 Prozent erhöhtes Risiko für allergische Erkrankungen. Das Risiko für Lebensmittelallergien war bei Kindern mit Übergewicht sogar um 59 Prozent höher (Journal of Allergy and Clinical Immunology, Mai 2009).


Erdnußallergie

In der Bewertung der Erdnußallergie gerät eine klassische Lehrmeinung ins Wanken. Während bis vor kurzem noch empfohlen wurde, Kleinkinder generell von Erdnußallergenen fernzuhalten, habe neuere Untersuchungen gezeigt, dass eine differenziertere Sichtweise angebracht ist. Der Schlüssel zur Erdnußallergie scheint das Alter beim ersten Erdnußkontakt zu sein. Jedenfalls legen das einige Studien nahe, denenzufolge der Nussgenuß in den ersten zwölf Lebensmonaten zu einer Toleranz führt, und im zweiten oder dritten Jahr einfache allergische Reaktionen auslösen kann. Daher kann es wahrscheinlich sinnvoll sein, Säuglingen im Sinn einer primären Vorbeugung mit Erdnußallergen in Kontakt zu bringen. Bei einer gesicherten Erdnußallergie kann aber der Genuß von Erdnüssen fatal sein. In diesen Fällen ist eine intensive Schulung sehr wichtig, damit die Patienten die Allergene meiden und sich im Notfall schnell zu helfen wissen (J Allergy Clin Immunol; 2008 Nov; 122(5): 984-91).


Schlafstörungen bei ADHS-Kindern

Kinder mit dem Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) haben offenbar einen weniger erholsamen Schlaf als andere. Umfassende Untersuchungen der Schlafarchitektur werden üblicherweise im Schlaflabor durchgeführt. Die Patienten verbringen dabei eine Nacht in einer für sie fremden Umgebung, was gerade bei Kindern schnell die Ergebnisse verfälschen kann. Mit einem portablen Polysomnografen wurden erstmals Kinder mit ADHS in ihrem heimischen Schlafzimmer untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass die Kinder mit ADHS einen kürzeren und weniger erholsamen Schlaf haben. Bei den 15 Kindern mit ADHS im Alter von 7 bis 11 Jahren dauerte die Nacht im Durchschnitt 8 Stunden und 19 Minuten, 33 Minuten weniger als in einer Kontrollgruppe von gleichaltrigen gesunden Kindern. Auch die REM-Phasen, denen Experten eine wichtige Bedeutung für den Erholungscharakter im Schlaf beimessen, waren um 16 Minuten verkürzt. Die Forscher glauben nicht, dass Schlafmangel die Ursache von AHDS ist. Fehlender Schlaf kann aber die Symptome verschlimmern. Auch bei Gesunden kann schließlich ein gestörter Schlaf die Konzentration und Lernfähigkeit beeinträchtigen, die Teil der AHDS-Symptomatik sind (Sleep, 2009, 32: 343-350).


Gemobbte Mädchen bleiben öfter Opfer

Mädchen, die in den ersten Grundschuljahren von ihren Mitschülern schikaniert werden, sind häufig auch Jahre später noch Mobbing-Opfer. Jungen scheinen durch solche Ereignisse weinger stark auf eine Opferrolle festgelegt zu werden. Dies haben Wissenschaftler von der Universität Warwick anhand von Interviews mit 663 Kindern im Alter zwischen sechs und neun Jahren und einem Folgefragebogen nach zwei bis vier Jahren herausgefunden. Während dieser Zeit waren Mädchen rund 2,5-mal häufiger als Jungen die Zeilscheiben von Mobbing-Attacken geblieben (Brit J Dev Psychol, DOI: 10.1348/026151008X383003).


Schlafmangel begünstigt Erkältungen

Weniger als sieben Stunden Schlaf gingen in einer experimentellen Studie mit einem dreifach erhöhten Risiko auf eine Ansteckung mit Rhinoviren einher. Eine verminderte Schlafqualität verfünffachte das Erkältungsrisiko. Das hat eine Studie mit 153 Männern und Frauen im Alter von 21 bis 55 Jahren ergeben. Über zwei Wochen wurden die Probanden täglich nach Schlafdauer und -qualität befragt. Später mussten die Teilnehmer für fünf Tage in Quarantäne. Dort wurden Nasentropfen mit Rhinoviren in die Nase getropft, den häufigsten Erregern von Erkältungserkrankungen. In der Folge wurde täglich das Nasensekret untersucht und nach Erkältungssymptomen gefragt. Einen Monat später wurde noch einmal eine Blutprobe auf Antikörper untersucht. Je weniger und weniger gut die Probanden nachts schliefen, desto leichter konnten die Rhinoviren bei ihnen Fuß fassen. Ein Drittel der Probanden hatte angegeben, weniger als 7 Stunden in der Nacht zu schlafen. Insgesamt scheint ein erholsamer Schlaf ein gutes Mittel zur Vermeidung von Erkältungskrankheiten zu sein (Arch Int Med 169, 2009, 62- 67).


Hörtest für alle Neugeborenen ab Januar 2009

Ab dem 1. Januar 2009 ist das Hörscreening bei Neugeborenen eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Damit hat nun jedes neugeborene Kind einen Anspruch auf einen Test, der Hörstörungen bereits ab den ersten Lebenstagen zuverlässig erkennen lässt. Angeborene oder um den Geburtszeitpunkt auftretende Hörstörungen sollten möglichst frühzeitig erkannt werden. Durch eine rechtzeitige Behandlung können die Folgen einer solchen Hörstörung vermieden werden. Das Hörscreening wird in den ersten Lebenstagen des Kindes durchgeführt, möglichst vor der Entlassung aus der Geburtseinrichtung. Die Tests sind völlig schmerzfrei und können durchgeführt werden, während das Kind schläft, am besten nach dem Füttern. Für das Neugeborenen-Hörscreening werden zwei Verfahren angewendet: die Messung der „otoakustischen Emissionen“ und die „Hirnstammaudiometrie“. Bei diesen Verfahren muss das Kind nicht mitarbeiten.


Ganztagskindergarten bietet flüchtige Vorzüge

Kinder, die ganztags einen Kindergarten besuchen, starten mit besseren Voraussetzungen im Lesen und Rechnen in die Grundschule als Kinder, die ihre Nachmittage zu Hause verbringen. Doch dieser akademische Vorzug überdauert den Schulbeginn nur kurz: ab der dritten Klasse sind keine Unterschiede mehr nachweisbar und im fünften Schuljahr kehrt sich das Verhältnis zugunsten der Kinder um, die nur halbtags im Kindergarten betreut wurden. Forscher der Universiät von Pittsburgh und Chicago haben die Daten von 13766 Kindern in einer Studie analysiert. Psychologen haben die Lese- und Rechenfähigkeit der Kinder im Kindergarten getestet und ihre Fortschritte in der ersten, dritten und fünften Klasse überprüft. Die Studienergebnisse zeigen, dass sich eine Ganztagsbetreuung im Kindergarten nur für kurze Zeit positiv auf die Lernprozesse der Kinder auswirkt. Die Forscher erklären sich die Ergebisse damit, dass Kinder, die nur halbtags den Kindergarten besuchen, aus sozial besser gestellten Familien stammen und zu Hause mehr gefördert werden. Daraus läßt sich schließen, dass die familiäre Situation eine nennenswerte Rolle beim Ausbau der Lernfähigkeit von Kindern spielt (Child Development, 79, 2008, 957-978).


Stress in der Kindheit erhöht Allergierisiko

Ein Umzug oder die Trennung der Eltern kann bei Kindern das Risiko deutlich erhöhen, später an einer Allergie zu erkranken. Das geht aus einer Langzeitstudie über Zusammenhänge zwischen Lebensstil, Immunsystem und Allergien hervor. Die Forscher hatten Blutproben von 234 sechsjährigen Kindern untersucht und im Zusammenhang mit Umzug oder Trennung der Eltern erhöhte Blutkonzentrationen des Stresspeptides VIP (Vasoaktives intestinales Peptid) gefunden. Der Botenstoff VIP aus der Gruppe der Neuropetide könnte eine Vermittlerrolle zwischen Stressereignissen im Leben und der Immunregulation einnehmen. Dass Stressereignisse einen Einfluss auf die Entwicklung von allergischen Krankheiten haben können, war bereits länger bekannt. Die zugrunde liegenden Mechanismen galten aber lange Zeit als ungeklärt. In der jetzt veröffentlichten Studie wurden erstmals Stressereignisse in den frühen Lebensjahren innerhalb einer großen epidemiologischen Studie mit Hilfe von Immunmarkern und Neuropeptiden untersucht. Offenbar spielt das Immunsystem eine Vermittlerrolle zwischen Stress auf der einen Seite und allergischen Krankheiten auf der anderen Seite ( Pediatric Allergy and Immunology; doi: 10.1111/j.1399-3038.2008.00727.x).


Wenig Schlaf- mehr Probleme

Schlaf ist wichtig für die Entwicklung eines Kindes. In einer Studie wurden die Daten von 2076 Kindern und Jugendlichen analysiert, die zu Beginn der Studie zwischen 4 und 16 Jahren alt waren. Zu diesem Zeitpunkt machten deren Eltern Angaben über das Verhalten und das Schlafmuster ihres Nachwuchses. 16 Jahre später- das Alter der Probanten lag nun zwischen 18 und 32 Jahren- gaben sie selber Auskunft über ihre psychische Verfassung. Diejenigen, die als Kinder wenig geschlafen hatten, zeigten dabei häufiger Symptome wie Depessionen, Ängste und aggressives Verhalten. Eine überdurchschnittlich lange Schlafdauer und Albträume zeigten hingegen keinen Einfluß darauf. Das Schlafverhalten spielt eine große Rolle für die Entwicklung des Kindes und die Kinderärzte sollen ein Augenmerk darauf haben. Manche Probleme stellen Risikofaktoren für spätere Verhaltensschwierigkeiten dar, andere offenbar nicht (Arch Pediatr Adolesc Med. 2008; 162(4):330-335).


Stillen macht Kinder schlau

Eine Studie aus Weißrussland liefert den bisher überzeugendsten Beleg dafür, dass Stillen die geistige Entwicklung von Kindern fördert. Demnach haben Stillkinder im Grundschulalter einen um mehrere Punkte höheren Intelligenzquotienten. Darauf lässt zumindest eine Studie aus Weißrussland mit fast 14 000 Kindern schließen. Die Kinder kamen in 31 Geburtskliniken des Landes zur Welt. Ein Teil der Mütter wurde aufgefordert, ihre Kinder weit über drei Monate hinaus zu stillen, der andere Teil beendete das Stillen frühzeitig. Fast sieben Jahre später schnitten die lang gestillten Kinder in Sprachtests und Tests praktischer Fähigkeiten deutlich besser ab als jene, die früh abgestillt wurden. Muttermilch enthält nicht nur notwendige langkettige Fettsäuren, die bei der Hirnentwicklung als Bausteine benötigt werden. Sie liefert mit dem Wachstumsfaktor ILGF 1 (“insulin-like growth factor I”) möglicherweise auch die notwendigen Impulse für die Hirnentwicklung. Vorstellbar ist auch, dass andere Faktoren wie der enge Kontakt der Mutter zum Kind sich positiv auf die Kommunikationsfähigkeiten der Kinder auswirken. Denn die größten Unterschiede bestanden in der sprachlichen Intelligenz (Arch Gen Psychiatry 65, 2008, 578- 584).


Babyschwimmen erhöht Asthmarisiko geringfügig

Mütter mit Allergien oder Asthma sollten ihre Kinder nach Ansicht von Forschern des Norwegian Institute of Public Health (NIPH) nicht zum Babyschwimmen anmelden. Bei Säuglingen erhöhe dies im ersten halben Lebensjahr das Risiko, später Atemstörungen zu entwickeln. Der aktuellen Studie des NIPH liegen Daten zu rund 30.000 Teilnehmern an der Norwegian Mother and Child Study zugrunde. Etwa ein Viertel der Kinder hatte im Alter von null bis sechs Monaten an Babyschwimmkursen teilgenommen. Die meisten dieser Kinder zeigten keine erhöhtes Auftreten von Infektionen der unteren Atemwege, Mittelohrentzündungen oder Atemwegserkankungen. Insgesamt lag der Anteil von Studienteilnehmern, die ein Engegefühl der Brust oder Keuchen angaben bei 40 Prozent. Bei allergischen oder asthmatischen Müttern waren es 44 Prozent für Kinder, die nicht am Babyschwimmen teilnahmen und 47 Prozent bei den Babyschwimmern. Die Differenz ist nicht groß, dennoch zeigt sie eine Tendenz zu Atemwegsproblemen an. Die Forscher vermuten, dass Chlor und weitere Atemwegsreizstoffe die Atemwegsschleimhaut schädigen und somit die Entwicklung von Erkrankungen wie Asthma begünstigen (Acta Paediatrica 2008; 97: 657-662).


Entfernung der Rachenmandeln verbessert keine Verhaltensstörungen

Vergrößerte Rachenmandeln beeinträchtigen Atmung, Schlaf und Lebensqualität und werden immer wieder mit Verhaltensstörungen in Verbindung gebracht, insbesondere mit Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätsstörungen und übersteigerten Trotzreaktionen. Im Schlaflabor einer kanadischen Kinderklinik wurden 138 Kinder mit nächtlichen Atempausen (Apnoen) untersucht. Bei 84 Kindern wunde eine Entfernung der Rachen- und Gaumenmandeln durchgeführt; 52 Kinder dienten als Vergleichsgruppe. Vor der Untersuchung im Schlaflabor und ca. 4 Jahre später wurden Beschwerdebild und Verhaltensstörungen in einem strukturierten Fragebogen ( CPR-2) erfasst. Bei 70- 90% der operierten Kinder und bei 10- 25% der nicht operierten Kinder verbesserten sich Atmung, nächtliches Schnarchen und allgemeine Lebensqualität. Die mit der Conners-Skala erfaßten Aufmerksamkeints-Hyperaktivitätsstörungen und Trotzreaktionen änderten sich dagegen nicht (J Pediatr 150: 540-546).


Jodversorgung von Kindern verbessert

Die Jodversorgung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland ist besser geworden. Das ergibt das sogenannte Jodmonitoring innerhalb der „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – KiGGS-Studie“ des Robert-Koch-Instituts. Bei der Untersuchung bestimmten Ärzte bei mehr als 17.000 Kindern und Jugendlichen mittels Ultraschall die Größe der Schilddrüse. Außerdem untersuchten sie das Blut und maßen die Jodausscheidung über den Urin. 36 Prozent der sechs bis 17-Jährigen hatten danach noch eine geringe Vergrößerung ihrer Schilddrüse infolge Jodmangels. Dies stellt zu diesem Zeitpunkt zwar noch keine Erkrankung dar, zeigt aber, dass die Jodversorgung noch nicht ausreichend ist. Die Messung der Jodausscheidung über den Urin ergab, dass die meisten Kinder und Jugendlichen in Deutschland die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgegebenen Ausscheidungswerte zwar erfüllen, diese sich aber an der untersten Grenze bewegen. Bei etwa 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen ist die Jodversorgung jedoch noch nicht zufriedenstellend, 17 Prozent sind deutlich unterversorgt. Als Fazit aus den Studienergebnissen kann man ableiten, dass die bisher ergriffenen Jodierungsmaßnahmen erfolgreich waren. Dazu hat vor allem Jodsalz beigetragen, das derzeit mehr als 80 Prozent der Haushalte und viele Großküchen, Bäckereien und Fleischereien verwenden.


Wie Werbung den Geschmack von Vorschulkindern beeinflusst

Kinder sind besonders empfänglich für Werbebotschaften. Fast allen schmeckt Fastfood-Nahrung, aber auch hochwertigere Nahrungsmittel besser, wenn auf der Verpackung das Emblem einer bekannten Fastfood-Kette prangte. Die Kinder waren umso empfänglicher, je mehr sie der Werbung und dem Marketing ausgesetzt waren. Vorschulkindern im Alter von 3 bis 5 Jahren wurden Menüs aus fünf Paaren von identischen Nahrungsmitteln angeboten. Sie enthielten die bekannten „Chicken Nuggets“, „Hamburger“ und „Pommes frites“, aber auch „Möhrchen“ und als Getränk „Milch“ beziehungsweise „Apfelsaft“, also höherwertige Nahrungsmittel, wurden angeboten. Auf der Verpackung prangten entweder die beiden goldenen Bögen der weltgrößten Fastfood-Kette oder aber sie waren neutral verpackt. Nach dem Mahl sollten die Vorschulkinder sagen, was ihnen besser geschmeckt habe. In vier von fünf Produkten entschieden sich deutlich mehr Kinder für den „Markenartikel“, obwohl die Nahrungsmittel identisch mit denen in der neutralen Verpackung waren. Das war auch bei Möhrchen und Milch der Fall. Auch hier verfehlte das Logo auf der Verpackung seine Wirkung nicht. Nur beim Hamburger war der Unterschied nicht so deutlich. Ernährungsexperten, welche die zunehmende Adipositas bei Kindern mit deren Medienkonsum in Verbindung bringen, dürften sich durch die Studie in ihren Befürchtungen bestätigt fühlen. Denn die Präferenzen für die Produkte der Hamburgerkette waren umso stärker ausgeprägt, je mehr Fernseher sich im Haushalt befanden und je häufiger eines dieser Geräte im Kinderzimmer stand, was häufig einen unkontrollierten Medienkonsum signalisiert (Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine 2007; 161: 792-797).


Katzenhaare reizen Atemwege auch bei Nicht-Allergikern

Das Katzenhaar-Allergen Fel d1 reizt die Atemwege von Atopikern auch dann, wenn sie gar nicht auf Katzenhaare allergisch sind. Als Atopiker werden Menschen bezeichnet, die eine erhöhte Allergieneigung haben. Meistens reagieren sie im Hauttest auf das eine oder andere Allergen positiv und der Nachweis spezifischer IgE-Antikörper bestätigt dann die Sensibilisierung. Zu den häufigsten Allergenen gehört Fel d1, ein von den Talgdrüsen der Katze produziertes Glykoprotein. Forscher haben nun untersucht, welchen Einfluss ein Nachweis von IgE-Antikörpern auf Fel d1 auf den Metacholintest hat, der allgemein die bronchiale Hyperreagibilität, also – etwas vereinfacht – die Asthmaneigung misst. Bei den Patienten, die eine Sensibilisierung auf Fel d1 aufwiesen, hatten die Forscher eine vermehrte bronchiale Hyperreagibilität vermutet. Diese bestand jedoch auch bei Atopikern, die gar nicht auf Katzenhaar sensibilisiert waren. Auch Menschen, die auf andere Allergene (Hausstaubmilbe, Schimmelpilz oder Wiesenlieschgras) sensibilisiert waren, zeigten eine deutliche bronchiale Hyperreagibilität auf Fel d1, ein aus allergologischer Sicht überraschender Befund. Er würde, wenn er durch weitere Studien bestätigt würde, bedeuten, dass ein Viertel der Bevölkerung auf Katzen empfindlich reagiere (American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine 2007; 176: 20-26).


Kopflausbefall

Kopflausbefall hat nichts mit fehlender Sauberkeit zu tun. Ursache sind vielmehr enge zwischenmenschliche Kontakte, hauptsächlich "von Haar zu Haar", insbesondere in Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder und Jugendliche. Die Verbreitung kann durch mangelnde Kooperation oder unzureichende Behandlung begünstigt werden. Eltern sind nach dem Infektionsschutzgesetz (§ 34 Abs. 5) verpflichtet, der Gemeinschaftseinrichtung, die ihr Kind besucht, Mitteilung über einen beobachteten Kopflausbefall zu machen. Das rasche Erkennen und Behandeln eines Kopflausbefalls und die Mitteilung darüber sind eine Voraussetzung für die erfolgreiche Verhütung und Bekämpfung in der Einrichtung. Die Erziehungsberechtigten sollten auch die Durchführung der Behandlung bestätigen. Ein ärztliches Attest der Bestätigung des Behandlungserfolges ist zur Wiederzulassung nicht erforderlich. Die Leitung einer Gemeinschaftseinrichtung ist gemäß Infektionsschutzgesetz verpflichtet, das Gesundheitsamt über einen Kopflausbefall zu benachrichtigen. Eine optimale Behandlung besteht nach heutiger Auffassung in der Kombination mechanischer, chemischer und physikalischer Wirkprinzipien. Am Tag der Diagnose (Tag 1) soll - unter genauer Beachtung aller Hinweise der Hersteller - mit einem geeigneten Insektizid behandelt werden. Weil bis zum 7. bzw. 8. Tag noch Larven nachschlüpfen und ab dem 11. Tag junge Weibchen bereits neue Eier ablegen können, ist eine Wiederholungsbehandlung am Tag 9 oder 10 dringend erforderlich. Ergänzend wird mehrfaches nasses Auskämmen empfohlen: Eine Studie zeigte, dass "nasses" Auskämmen mit Haarpflegespülung und Läusekamm in vier Sitzungen an den Tagen 1, 5, 9 und 13 bei 57 % der behandelten Kinder zur Entlausung führte. Mögliche Fehler in der Behandlung, die das Überleben von Eiern, Larven oder Läusen begünstigen, sind zu kurze Einwirkzeiten, zu sparsames Ausbringen des Mittels, eine ungleichmäßige Verteilung des Mittels, eine zu starke Verdünnung des Mittels in triefend nassem Haar oder das Unterlassen der Wiederholungsbehandlung.


Verschimmelte Wohnungen als Asthmarisiko für Kleinkinder

Durchfeuchtete Wohnungen, insbesondere aber ein sichtbarer Schimmelpilzbefall, sind nach den Ergebnissen einer Fall-Kontroll-Studie mit einem erhöhten Asthmarisiko bei Kindern assoziiert. In Finnland wäre demnach jede fünfte Asthmaerkrankung bei Kleinkindern die Folge schlechter Wohnraumbedingungen. In dieser Studie wurden alle Wohnungen von 121 Kindern, die im Alter von 12 bis 84 Monaten an Asthma erkrankten, von ausgebildeten Ingenieuren aufgesucht. Diese begutachteten systematisch alle Zimmer. Geschaut wurde, wo sich Feuchtigkeit an den Wänden gebildet hatte, wo Kondensationsspuren sichtbar waren, sich Tapeten verfärbt oder abgelöst hatten und so weiter. Außerdem wurde darauf überprüft, ob die Kinder mindestens 75 Prozent ihrer Lebenszeit oder wenigstens 2 Jahre an der angegebenen Adresse gewohnt hatten. Als Ergebnis der Studie zeigte sich, dass das Ausmaß der Wohnungsdurchfeuchtung und sichtbarer Schimmelbefall das Risiko auf eine Asthmaerkrankung um den Faktor zwei bis drei erhöht. Ausschlaggebend war der Schimmelbefall in dem Viertel der Wohnung, in dem sich die Kinder bevorzugt aufhielten, vor allem aber im Schlafzimmer der Kinder ( European Respiratory Journal 2007: 29: 509-515).


Allergische Kinder haben höheres Risiko für Asthma bronchiale

Kinder, die allergische Reaktionen entwickeln und in ihren ersten 3 Lebensjahren unter Giemen leiden, neigen eher zu asthmatischen Erkrankungen. Einige Kinder mit beständigem Giemen verlieren zwischen Geburt und Schulalter ihre normale Lungenfunktion und entwickeln Asthma, andere jedoch nicht. Bislang war unklar, welche Faktoren hierfür bestimmend sind und welches Kind erkrankt. Risikofaktoren für eine Empfindlichkeit gegen Allergene sind hohe IgE-Antikörperspiegel im Nabelschnurblut und/ oder wenigstens zwei allergenempfindliche Verwandte ersten Grades. Durch Befragung wurde nun festgestellt, dass 90% der Kinder mit wiederholtem Giemen, jedoch ohne Anfälligkeit für Allergien, ihre Symptome im Schullater verloren und in der Pubertät normale Lungenfunktionen beibehielten. Kinder mit wiederholtem Giemen und während der ersten 3 Lebensjahre einsetzenden Allergien neigten jedoch zu verringerter Lungenfunktion und asthmatischer Erkrankung. Ausserdem wurde festgestellt, dass eine hochdosierte allergene Belastung zur Entwicklung von Asthma beitrug. Kinder vermindert Allergenen auszusetzen, kann aber Asthma nicht verhindern (Lancet 2006; 368: 763-770).


Allergie und Haustierhaltung

In der neuen S3-Leitlinie zur Allergievorbeugung wird auch zum Thema Haustierhaltung Stellung bezogen. Die wichtigsten Aussagen können so zusammengefasst werden: Personen ohne erhöhtes Allergierisiko brauchen aus Präventionsgründen nicht auf ein felltragendes Haustier zu verzichten. Die Anschaffung von Felltieren als Vorbeugungsmaßnahme ist jedoch nicht zu empfehlen. Die Haltung eines Hundes scheint nicht mit einem erhöhten Allergierisiko einher zu gehen. Die Haltung einer Katze oder auch von Nagetieren (Meerschweinchen, Kaninchen) sollte in Haushalten mit allergiebelastenden Personen unterbleiben. Patienten mit einer manifesten Allergie gegen ein Haustier müssen das Haustier abschaffen (AllergoJ 2004;13: 252-60).


Händewaschen senkt das Auftreten von Infektionserkrankungen

In der Welt sterben jährlich 3- 5 Millionen Kinder unter 5 Jahren an Durchfall- und Atemwegserkrankungen. In den Elendsvierteln von Karachi in Parkistan wurden 906 Familien nach dem Zufallsprinzip einer von 3 Gruppen zugeordnet: Gruppe A mit Wasch- und Badeanleitung und Versorgung mit Seife, Gruppe B mit Wasch- und Badeanleitung und Versorgung mit antibakterieller Seife und Kontrollgruppe C ohne Anleitung mit Büchern und Heften statt Seife. Die Familien wurden über ein Jahr wöchentlich besucht, mit neuer Seife versorgt und nach Luftwegsinfekten, Durchfallerkrankungen und infektiösen Hautausschlägen befragt. In den Haushalten lebten insgesamt 4691 Kinder im Alter von 0- 15 Jahren. Im Beobachtungszeitraum erlitten Kinder der Gruppe A und B 50 % weniger Lungenentzündungen, 53% weniger Durchfallerkrankungen und 34% weniger bakterielle Hautveränderungen als Kinder der Kontrollgruppe C. Zwischen Gruppe A und B fanden sich keine signifikante Häufigkeitsunterschiede (Lancet, 2005, 366, 225-233).


Übergewichtige Jugendliche

Wer als Jugendlicher Übergewicht hat, legt damit wahrscheinlich einen Grundstein für einen Herzinfarkt und Schlaganfall. Eine niederländische Studie hatte bei 750 Erwachsenen im Alter von 27 bis 30 Jahren die Wand der Halsschlagader untersucht. Als die Wissenschaftler die Messergebnisse in Beziehung zum Gewicht der Studienteilnehmer im Alter von 13 Jahren gesetzt hatten, wurde deutlich, dass je schwergewichtiger die Studienteilnehmer in der Pubertät gewesen waren, desto dicker war die Wand der Halsschlagader als Erwachsene. Eine Verdickung des Gefäßes gilt als Zeichen für eine beginnende Arteriosklerose. Diejenigen die seit ihrer Jugend permanent Übergewicht hatten, zeigten die schlechtesten Messergebnisse. Eltern sollten also tunlichst darauf achten, daß ihre Kinder nicht zu dick werden.


Allergiker leiden unter dem Klimawandel

Nach Feststellung der Meteorologen steigen die Temperaturen auf der Erde. Spätestens der Sommer 2003 mit seinen Hitzerekorden machte allen klar, was Klimaerwärmung bedeutet. Daß es nun auch im Winter wärmer wird, belegen die Ergebnisse verschiedener Meßstationen. Seit der Saison 1988/1989 registieren die Meßstationen gehäuft sehr milde Winter mit Durchschnittstemperaturen von zwei bis vier Grad über den üblichen Werten. Für viele Allergiker verlängert sich dadurch die Leidenszeit. Denn in milden Wintern beginnen Bäume wie Haselnuß, Erle und Birke eher zu blühen. In den letzten Jahren ließen Hasel und Erle ihre Pollen bereits Ende Januar fliegen. Vor 20 Jahren lag der Beginn der Blüte etwa 20 Tage später. Menschen die auf Baumpollen allergisch reagieren, entwickeln deshalb schon im Winter einen Heuschnupfen oder Asthmasymptome. Internetnutzer können die Pollenflugvorhersage unter www.wetter.com oder unter www.donnerwetter.de/pollen abrufen.




Probiotika und Allergievorbeugung

In den letzten Jahrzehnten stiegen die Neuerkrankungen allergischer Krankheitsbilder im Kindes- und Jugendalter ständig an. Es gibt etliche Ansätze zu deren Vorbeugung, aber nur wenige davon sind nicht umstritten. Dazu gehören der Rauchverzicht der Mutter und das Stillen des Kindes. Eine Veröffentlichung im renommierten Lancet hat im Jahr 2001 für großes Aufsehen gesorgt, in der gezeigt wurde, daß das probiotische Milchsäurebakterium Lactobacillus GG von Geburt an eine Neurodermitis vorbeugen kann. Diese Schutzwirkung hält lange über das Säuglingsalter hinaus an, wie finnische Wissenschaftler jetzt nachwiesen. Die Kinder, die an der ersten Studie teilgenommen hatten, wurden im Alter von 4 Jahren erneut untersucht. Die aktuell veröffentlichten Ergebnisse zeigen, daß der vorbeugende Effekt von Lactobacillus GG auch 4 Jahre später noch anhält. Es scheint somit nach dieser Studie möglich zu sein, durch die frühzeitige Gabe von Lactobacillus GG eine Neurodermitis nachhaltig vorzubeugen (Lancet 2003;361: 1869-70).


Stillen schützt vor Asthma

Wie groß ist der Einfluss von Stillen in einem Industrieland auf die Gesundheit von Kindern? Kann es die Erkrankungsrate, verursacht durch Atemwegserkrankungen, insbesondere durch RSV-Infektionen und Asthma, wirklich verringern? Diesen Fragen gingen australische Forscher des Institute for Child Health, West Perth, in einer prospektiven Kohortenstudie nach (Arch Dis Child 2003; 88:224-228). Ein Jahr lang wurde beobachtet, ob und wie 2.602 lebend geborene Säuglinge gestillt wurden und ob sie an Erkrankungen der Atemwege litten. Tatsächlich verringert Stillen die Anzahl der Atemwegserkrankungen , besonders wenn es lange und konsequent genug durchgeführt wird. Besonders viel versprechend ist, daß schwere brochialverengende Erkrankungen der unteren Atemwege, wie Asthma, Bronchiolitis und Bronchospasmus bei ausreichend gestillten Säuglingen seltener sind. Analog den WHO-Empfehlungen raten die Autoren jungen Müttern, sechs Monate voll bzw. „überwiegend“ zu stillen und bis Ende des ersten Jahres die Muttermilch neben der Beikost nicht abzusetzen.


Erst Schreikind, dann Zappelphilip

Häufig wird in der frühkindlichen Krankengeschichte von hyperaktiven Kindern über Schreien, Ess- und Schlafstörungen berichtet. Ein englisches Autorenteam (Pediatrics 2002;109:1054-60) ging deshalb der Frage nach, ob Schreibabys automatisch ein erhöhtes Risiko haben, sich zu hyperaktiven Kindern zu entwickeln. Die prospektive Studie untersuchte 53 Kinder im Alter zwischen 8 und 10 Jahren, die als Babys in den ersten 6 Lebensmonaten anhaltendes Schreien ohne erkennbare Ursache für mehr als 3 Stunden am Tag und mindestens 3 Tage pro Woche über mindestens 3 Wochen gezeigt hatten. Als Vergleichsgruppe wurden gleichaltrige Mitschüler ohne ständiges Schreien im ersten Lebensjahr herangezogen. In der Schreikindergruppe zeigten 18,9 % der Kinder ein hyperaktives Verhalten im Vergleich zu 1,6% in der Kontrollgruppe. Außerdem waren ihre Schulleistungen signifikant schlechter als bei den Kindern ohne hyperaktives Verhalten. Unter den Schreikindern fanden sich auch mehr Verhaltensprobleme. Außerdem litten 45,3% der Schreikinder zusätzlich an Schlaf- und Fütterungsproblemen im ersten Lebensjahr.


Asthma bronchiale und Sport

Es ist eine Volksweisheit, daß sich Kinder viel bewegen sollen, um eine gute körperliche und geistige Entwicklung zu fördern. Dies gilt ganz besonders für asthmakranke Kinder. Diese Tatsache wird von vielen Eltern und Lehrern nicht verstanden oder nicht ausreichend umgesetzt. Man geht davon aus, daß bis zu 40 Prozent der asthmakranken Kinder vom Schulsport befreit werden. Alle Beteiligten sind im Umgang mit asthmakranken Kindern durch Unsicherheit geprägt. Im Schulsport erfahren diese Kinder oftmals nicht die angemessene Berücksichtigung und Hilfestellung, um sich aktiv am Unterricht zu beteiligen. Sportlehrer sind oft nicht ausreichend über das Krankheitsbild informiert. Eltern möchten ihren Kindern helfen und sie vor unnötigen Risiken schützen. Das asthmakranke Kind hat oft nicht genügend Selbstvertrauen, alle Anforderungen, die im Sportunterricht gestellt werden, zu erfüllen. Versagensängste führen oft zu Vermeidungsverhalten. Hierzu kommt, daß viele Sporthallen staubig und milbenhaltig sind, und dies kann bei allergischem Asthma bronchiale zusätzlich akute Atemnotfälle auslösen. Die Eltern asthmakranker Kinder sollten darauf achten, daß ihre Kinder ausreichend körperliche Betätigung finden. Auch eine Trendsportart wie z.B. Inlineskating ist bestens geeignet, um den Kindern den Spaß an der Bewegung zu erhalten. Dabei ist das Training wichtig, um den Anschluß und den Kontakt zu Gleichaltrigen zu halten. Zudem schützt eine gute Kondition vor Anstrengungsasthma. Eine gut ausgeprägte Koordinationsfähigkeit ist für die Entwicklung des Kindes von besonderer Wichtigkeit. Der gezeilte Einsatz von Bewegungsabläufen spielt eine große Rolle, um Atemnotanfällen vorzubeugen.


Allergieschutz

Kinder, die in ländlicher Umgebung aufwachsen, haben ein niedrigeres Risiko für allergische Erkrankungen. Dabei scheint es auch eine Rolle zu spielen, wie früh diese Einflüsse wirksam werden. Im Rahmen einer Querschnittstudie in ländlichen Gebieten wurden Eltern Fragen zum Auftreten von Heuschnupfen, Asthma bronchiale und Neurodermitis gestellt. Einigen Kindern wurden auch Blutproben entnommen und auf Antikörper gegen geläufige Allergene untersucht. Wie sich herausstellte, erkrankten Kinder, die schon vor ihrem ersten Geburtstag Stallkontakt hatten und danach frische Milch vom Bauernhof tranken deutlich seltener an Asthma bronchiale, Heuschnupfen und einer allergischen Sensibilisierung als Kinder, bei denen dies später der Fall war. Der Asthma-schützende Effekt war dabei unabhängig vom Einfluß auf die allergische Sensibiliiserung. Am seltensten erkrankten Kinder, die sich bis zum fünften Lebensjahr kontinuierlich in bäuerlicher Umgebung aufhielten.


Allergietherapie

Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) kann vor allem bei frühzeitigem Behandlungsbeginn ab dem 5. Lebensjahr den fortschreitenden Verlauf allergischer Atemwegserkrankungen aufhalten. Durch diese Therapie kann das Risiko zusätzlicher Sensibilisierugen und die Verschlechterung der Symptomatik vermindert werden. Es gibt eine enge Verzahnung von Allergien der oberen und unteren Atemwege. Typischerweise erkranken die Kinder zunächst an Heuschnupfen und später an Asthma. Daher verwundert es auch nicht, daß die spezifische Immuntherapie auch bei beiden Erkrankungsformen ursächlich hilft und einem Fortschreiten der Erkrankungen entgegenwirkt. Indiziert ist die spezifische Immuntherapie bei mittelschwerer bis schwerer allergisch bedingter Heuschnupfensymtomatik. Interveniert werden sollte möglichst früh, sobald die Symptome länger als vier Wochen dauern. Auch bei allergischem Asthma bronchiale sollt möglichst früh behandelt werden. Indiziert ist dabei die spezifische Immuntherapie bei gleichzeitigem Vorliegen eines Heuschnupfens und bei leichter bis mittelschwerer Symptomatik.


Feuchte Wohnung - Allergie?

Bei einer Untersuchung von Kilpelainen (Thorax 2001;56:462-7) fand sich eine erhöhte Asthmarate bei Studenten aus feuchten oder schimmeligen Wohnungen. Auch litten Allergiker aus solchen Wohnungen häufiger an Schnupfen und Neurodermitis als vergleichbare Studenten in trockenen Wohnungen. Feuchte Wohnungen erhöhen daneben auch die Zahl der unspezifischen Infekte. Die Autoren führen diese Befunde im Wesentlichen auf die vermehrte Schimmelbildung und den erhöhten Milbenbestand in feuchten Wohnungen mit entsprechend erhöhter Allergisierungsrate zurück. Möglicherweise schädigen Sporen und flüchtige Ausdünstungen von Schimmelpilzen die empfindlichen Schleimhäute der allergiekranken Studenten zusätzlich.


Entfernung von Zecken

Die frühere Empfehlung, die Zecke durch Vaseline, Öl, Nagellack oder Klebstoffe zu ersticken, gilt heute nicht mehr. Man hat nachgewiesen, daß bei diesem Vorgehen vermehrt Speichel der Zecke in die Stichwunde gelangt und das Übertreten von Krankheitserregern sogar begünstigt wird. Bei der Entferung der Zecke mit Hilfe einer speziellen Zange darf die Zecke auf keinen Fall zerquetscht werden, weil dadurch die möglichen Erreger regelrecht in die Haut gepreßt werden. Es kommt vielmehr darauf an, die Zecke schonend von der Haut zu entfernen, ohne sie in Stress oder Todesangst zu versetzen. Bei solchen Manipulationen kommt es bei der Zecke zum Hochwürgen von Darminhalt, was mit vermehrter Ausscheidung der Krankheitserreger durch den Speichel verbunden ist. Besser geeignet ist das tangentiale Abschaben mit dem Messer oder das Herausheben mit einer desinfizierten Stecknadel. Selbstverständlich ist die schonende Entfernung mit einer speziellen Zeckenpinzette auch möglich.


Der plötzliche Säuglingstod (SID)

Der plötzliche Säuglingstod ist nach wie vor die häufigste Todesursache im ersten Lebensjahr jensseits der Neugeborenenzeit; seine Ursache ist weiterhin unklar. Mit der weitgehenden Vermeidung der Bauchlage ist es in Deutschland zu einem Rückgang der SID-Todesfälle um circa 50% gekommen. In Nachbarländern wie Holland konnte jedoch ein Rückgang um circa 90% ereicht werden. Der Grund liegt vermutlich darin, dass dort noch intensiver als in Deutschland vor weiteren Risikofaktoren gewarnt wurde. Folgende Empfehlungen an Eltern sind durch epidemiologische Studien gesichert: Das Kind zum Schlafen auf den Rücken legen. Kühl ist besser.16 bis 18° C Raumtemperatur und eine dünne Decke oder ein Schlafsack sind genug. Darauf achten, dass das Kind nicht mit dem Kopf unter die Bettdecke rutschen kann. Kissen und anderes gehören nicht ins Säuglingsbett. Das Kind bei sich im Schlafzimmer, aber im eigenen Bett schlafen lassen. Auf rauchfreie Umgebung für das Kind achten. Solange stillen, wie es möglich ist. Nimmt das Kind einen Schnuller, so sollte es diesen zu jedem Schlaf bekommen.


Chronische Verstopfung

Die Behandlung der chronischen Verstopfung im Kindesalter ist eine Herausforderung für den Kinder- und Jugendarzt und erfordert viel Durchhaltevermögen. Die notwendige Umstellung der Ernährung sowie Trink- und Toilettengewohnheiten kann nur durch enge Einbindung der Eltern und der kleinen Patienten selbst erfolgreich sein. Bei der Behandlung sind folgende Punkte zu beachten: Kostumstellung: Erlaubt sind Vollkornprodukte (Vollkorn- oder Knäckebrot), frisches Obst, frisches Gemüse, Salate, Weizenkleie, Dörrpflaumen Verboten sind Weißbrot, Brötchen, überzuckerte Obstsäfte, Kuchen, Süßigkeiten, überfette Milch, übermäßiger Fleischgenuß Regelmäßiger Toilettenbesuch in gemütlicher Umgebung( Fußbank, Bilderbücher, Kasettenrecorder) Viel Sport und Bewegung, Massage Ärztlich verordnete Maßnahmen wie Gabe von Lactulose Sirup und Obstinol Sirup und Gabe von Klistieren durchführen Stuhlkalender führen und täglich eintragen Die Behandlung kann bis zu sechs Monaten dauern!


Passivrauchen

Tabakrauch ist der bedeutendste und gefährlichste Innenraumschadstoff. Viele seiner gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffe sind höher konzentriert im Nebenstromrauch zu finden, der unfreiwillig in der Umgebung eines Rauchers eingeatmet wird, als im Hauptstromrauch, den der Raucher selbst inhaliert. Daher leiden auch Nichtraucher (Kinder) unter Folgeschäden des Rauchens. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass allein in Europa 500000 Atemwegserkrankungen pro Jahr vermeidbar wären, könnten Kinder wenigstens zu Hause in einer rauchfreien Umgebung leben. Wenn also über die Vorbeugung von Atemwegserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen gesprochen wird, gehört das Thema Passivrauchen dazu. Die gesundheitsschädlichen Folgen für Ungeborene, Säuglinge, Klein- und Schulkinder durch Passivrauchen sind belegbar. Das Risiko für Mittelohrerkrankungen bei Kleinkindern, Bronchitis und Asthma bronchiale bei Klein- und Schulkindern und den plötzlichen Kindstod wird deutlich erhöht. Der Nebenstromrauch enthält zahlreiche Krebs erregende Substanzen. Jede Schule würde geschlossen werden, wenn aus der Bausubstanz derartige Stoffe abgegeben würden. Warum wird gegen das Passivrauchen so wenig unternommen? Weil mit der Tabakindustrie viel Geld zu verdienen ist. Wer gibt das gerne auf. Und weil Nikotin ein Suchtmittel ist, eine Droge, die abhängig macht.

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