Die Angst vieler Eltern, aber auch Ärzte, Impfungen im ersten
Lebensjahr könnten das Allergierisiko erhöhen, ist nach den
Ergebnissen einer großen deutschen Studie unbegründet.
Impfungen haben demnach sogar einen leichten Schutzeffekt. Im
bundesweiten Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) wurden
von 2003 bis 2006 die Daten von mehr als 17000 Kindern und
Jugendlichen bis 17 Jahre analysiert. Von insgesamt 15383
Kindern, die bereits das erste Lebensjahr vollendet hatten, lagen
verwertbare Daten zu allergischen Erkrankungen und Impfungen vor. Bei
knapp elf Prozent der Kinder war nach dem ersten Lebensjahr ein
Heuschnupfen diagnostiziert worden. Und bei nahezu acht Prozent
wurde eine Neurodermitis festgestellt sowie bei vier Prozent
Asthma. Bei den Kindern, die bis zum Ende des ersten Lebensjahres
alle von der STIKO empfohlenen Impfungen erhalten hatten, war die
Krankheitshäufigkeit für keine der allergischen Erkrankungen
erhöht, sondern sogar etwas geringer als bei Kindern, die nicht
komplett geimpft waren. Die Krankheitshäufigkeit für Heuschnupfen war um
14 Prozent geringer, die für Neurodermitis um sieben
Prozent und die für Asthma um etwa zehn Prozent (Allergo J 18, 2009, S20).
Studie stellt Hygiene-Hypothese infrage
Durch den Kontakt mit anderen Kindern erkranken Kinder in
Kindestagesstätten oder in größeren Familien häufiger an
Atemwegsinfektionen. Das schützt sie jedoch nicht vor späteren
Allergien, wie die Hygienehypothese behauptet. Die Hygiene-Hypothese
besagt, dass die heutige keimarme Umgebung die Entwicklung des
Immunsystems während der Kindheit behindert. Da sie keine echten
Krankheitserreger mehr bekämpfen müssen, suchen sich die
Antikörper, stark vereinfacht ausgedrückt, unechte
Gegner in Form harmloser Allergene. Damit wurde der starke
Anstieg von Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma erklärt. In
einer neuen Studie wurde neben der Zahl der Geschwister auch
erfasst, ob und ab welchem Alter die Kinder in Tagesstätten
betreut wurden. Nach der Hygienehypothese sollten Hortkinder
häufiger und früher als andere an Atemwegserkrankungen leiden,
die eine Folge des Erstkontaktes des Immunsystems mit Viren und
Bakterien in unserer Umwelt sind. Dies war auch der Fall. Kinder,
die in den ersten beiden Lebensjahren in Tagesstätten betreut
wurden, erkrankten doppelt so häufig an Atemwegsinfektionen, die
in diesem Alter (wegen der noch sehr engen Atemwege)
typischerweise mit einem Keuchen einhergehen. Wenn sie noch
Geschwister hatten, war das Risiko sogar vierfach höher. Doch
diese frühen Erfahrungen verschafften ihnen im weiteren Leben
keine Vorteile. Bei einer allergologischen Abschlussuntersuchung
im Alter von acht Jahren waren frühe Hortkinder nicht vor
Allergien geschützt (American Journal of Respiratory and
Critical Care Medicine 2009; 180: 491-498).
ADHS ohne Therapie führt öfter zu Depressionen
Die Therapie mit Psychostimulantien bei ADHS wird immer wieder
kritisiert. Eine Studie bestätigt jetzt aber, dass medikamentös
behandelte Kinder seltener zusätzliche psychiatrische
Erkrankungen bekommen. Ausgewertet für die Studie wurden Daten
von 112 Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom
(ADHS). Die Teilnehmer waren als Kinder oder Jugendliche in die
Untersuchung aufgenommen und zehn Jahre später auf zusätzliche
psychiatrische Erkrankungen untersucht worden. Insgesamt 82
Prozent von ihnen waren dabei in den zehn Jahren mit
Psychostimulantien behandelt worden. Die medikamentöse Therapie
war im Schnitt mit knapp neun Jahren begonnen worden und dauerte
sechs Jahre. Die mit Stimulantien behandelten Teilnehmer hatten
im Vergleich deutlich seltener Depressionen, Angststörungen oder
Störungen des Sozialverhaltens entwickelt. Auch hatten die
Patienten mit medikamentöser Therapie seltener eine Schulklasse
wiederholen müssen (Ped 124, 2009, 71).
Zusammenhang zwischen Übergewicht und Allergien
Bei Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht ist das Risiko für
Allergien erhöht. Besonders Lebensmittelallergien kommen nach
Beobachtungen amerikanischer Wissenschaftler bei übergewichtigen
Kindern und Heranwachsenden im Vergleich zur Normalbevölkerung
erheblich häufiger vor. Es wurden dafür die Daten von 4111
Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 2 und 19 Jahren
ausgewertet. Die Wissenschaftler fanden einen auffallenden
Zusamenhang zwischen Übergewicht und Allergien. Bei
übergewichtigen Kindern war der IgE-Spiegel im Blut höher und
übergewichtige Kinder hatten im Vergleich zu normalgewichtigen
ein um 26 Prozent erhöhtes Risiko für allergische Erkrankungen.
Das Risiko für Lebensmittelallergien war bei Kindern mit
Übergewicht sogar um 59 Prozent höher (Journal of Allergy and
Clinical Immunology, Mai 2009).
Erdnußallergie
In der Bewertung der Erdnußallergie gerät eine klassische
Lehrmeinung ins Wanken. Während bis vor kurzem noch empfohlen
wurde, Kleinkinder generell von Erdnußallergenen fernzuhalten,
habe neuere Untersuchungen gezeigt, dass eine differenziertere
Sichtweise angebracht ist. Der Schlüssel zur Erdnußallergie
scheint das Alter beim ersten Erdnußkontakt zu sein. Jedenfalls
legen das einige Studien nahe, denenzufolge der Nussgenuß in den
ersten zwölf Lebensmonaten zu einer Toleranz führt, und im
zweiten oder dritten Jahr einfache allergische Reaktionen
auslösen kann. Daher kann es wahrscheinlich sinnvoll sein,
Säuglingen im Sinn einer primären Vorbeugung mit
Erdnußallergen in Kontakt zu bringen. Bei einer gesicherten
Erdnußallergie kann aber der Genuß von Erdnüssen fatal sein.
In diesen Fällen ist eine intensive Schulung sehr wichtig, damit
die Patienten die Allergene meiden und sich im Notfall schnell zu
helfen wissen (J Allergy Clin Immunol; 2008 Nov; 122(5): 984-91).
Schlafstörungen bei ADHS-Kindern
Kinder mit dem Aufmerksamkeitsdefizit- und
Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) haben offenbar einen weniger
erholsamen Schlaf als andere. Umfassende Untersuchungen der
Schlafarchitektur werden üblicherweise im Schlaflabor
durchgeführt. Die Patienten verbringen dabei eine Nacht in einer
für sie fremden Umgebung, was gerade bei Kindern schnell die
Ergebnisse verfälschen kann. Mit einem portablen Polysomnografen
wurden erstmals Kinder mit ADHS in ihrem heimischen Schlafzimmer
untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass die Kinder mit ADHS
einen kürzeren und weniger erholsamen Schlaf haben. Bei den 15
Kindern mit ADHS im Alter von 7 bis 11 Jahren dauerte die Nacht
im Durchschnitt 8 Stunden und 19 Minuten, 33 Minuten weniger als
in einer Kontrollgruppe von gleichaltrigen gesunden Kindern. Auch
die REM-Phasen, denen Experten eine wichtige Bedeutung für den
Erholungscharakter im Schlaf beimessen, waren um 16 Minuten
verkürzt. Die Forscher glauben nicht, dass Schlafmangel die
Ursache von AHDS ist. Fehlender Schlaf kann aber die Symptome
verschlimmern. Auch bei Gesunden kann schließlich ein gestörter
Schlaf die Konzentration und Lernfähigkeit beeinträchtigen, die
Teil der AHDS-Symptomatik sind (Sleep, 2009, 32: 343-350).
Gemobbte Mädchen bleiben öfter Opfer
Mädchen, die in den ersten Grundschuljahren von ihren
Mitschülern schikaniert werden, sind häufig auch Jahre später
noch Mobbing-Opfer. Jungen scheinen durch solche Ereignisse
weinger stark auf eine Opferrolle festgelegt zu werden. Dies
haben Wissenschaftler von der Universität Warwick anhand von
Interviews mit 663 Kindern im Alter zwischen sechs und neun
Jahren und einem Folgefragebogen nach zwei bis vier Jahren
herausgefunden. Während dieser Zeit waren Mädchen rund 2,5-mal
häufiger als Jungen die Zeilscheiben von Mobbing-Attacken
geblieben (Brit J Dev Psychol, DOI: 10.1348/026151008X383003).
Schlafmangel begünstigt Erkältungen
Weniger als sieben Stunden Schlaf gingen in einer experimentellen
Studie mit einem dreifach erhöhten Risiko auf eine Ansteckung
mit Rhinoviren einher. Eine verminderte Schlafqualität
verfünffachte das Erkältungsrisiko. Das hat eine Studie mit 153
Männern und Frauen im Alter von 21 bis 55 Jahren ergeben. Über
zwei Wochen wurden die Probanden täglich nach Schlafdauer und -qualität
befragt. Später mussten die Teilnehmer für fünf Tage in
Quarantäne. Dort wurden Nasentropfen mit Rhinoviren in die Nase
getropft, den häufigsten Erregern von Erkältungserkrankungen.
In der Folge wurde täglich das Nasensekret untersucht und nach
Erkältungssymptomen gefragt. Einen Monat später wurde noch
einmal eine Blutprobe auf Antikörper untersucht. Je weniger und
weniger gut die Probanden nachts schliefen, desto leichter
konnten die Rhinoviren bei ihnen Fuß fassen. Ein Drittel der
Probanden hatte angegeben, weniger als 7 Stunden in der Nacht zu
schlafen. Insgesamt scheint ein erholsamer Schlaf ein gutes
Mittel zur Vermeidung von Erkältungskrankheiten zu sein (Arch
Int Med 169, 2009, 62- 67).
Hörtest für alle Neugeborenen ab Januar 2009
Ab dem 1. Januar 2009 ist das Hörscreening bei Neugeborenen eine
Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Damit hat nun jedes
neugeborene Kind einen Anspruch auf einen Test, der
Hörstörungen bereits ab den ersten Lebenstagen zuverlässig
erkennen lässt. Angeborene oder um den Geburtszeitpunkt
auftretende Hörstörungen sollten möglichst frühzeitig erkannt
werden. Durch eine rechtzeitige Behandlung können die Folgen
einer solchen Hörstörung vermieden werden. Das Hörscreening
wird in den ersten Lebenstagen des Kindes durchgeführt,
möglichst vor der Entlassung aus der Geburtseinrichtung. Die
Tests sind völlig schmerzfrei und können durchgeführt werden,
während das Kind schläft, am besten nach dem Füttern. Für das
Neugeborenen-Hörscreening werden zwei Verfahren angewendet: die
Messung der otoakustischen Emissionen und die
Hirnstammaudiometrie. Bei diesen Verfahren muss das
Kind nicht mitarbeiten.
Ganztagskindergarten bietet flüchtige Vorzüge
Kinder, die ganztags einen Kindergarten besuchen, starten mit
besseren Voraussetzungen im Lesen und Rechnen in die Grundschule
als Kinder, die ihre Nachmittage zu Hause verbringen. Doch dieser
akademische Vorzug überdauert den Schulbeginn nur kurz: ab der
dritten Klasse sind keine Unterschiede mehr nachweisbar und im
fünften Schuljahr kehrt sich das Verhältnis zugunsten der
Kinder um, die nur halbtags im Kindergarten betreut wurden.
Forscher der Universiät von Pittsburgh und Chicago haben die
Daten von 13766 Kindern in einer Studie analysiert. Psychologen
haben die Lese- und Rechenfähigkeit der Kinder im Kindergarten
getestet und ihre Fortschritte in der ersten, dritten und
fünften Klasse überprüft. Die Studienergebnisse zeigen, dass
sich eine Ganztagsbetreuung im Kindergarten nur für kurze Zeit
positiv auf die Lernprozesse der Kinder auswirkt. Die Forscher
erklären sich die Ergebisse damit, dass Kinder, die nur halbtags
den Kindergarten besuchen, aus sozial besser gestellten Familien
stammen und zu Hause mehr gefördert werden. Daraus läßt sich
schließen, dass die familiäre Situation eine nennenswerte Rolle
beim Ausbau der Lernfähigkeit von Kindern spielt (Child
Development, 79, 2008, 957-978).
Stress in der Kindheit erhöht Allergierisiko
Ein Umzug oder die Trennung der Eltern kann bei Kindern das
Risiko deutlich erhöhen, später an einer Allergie zu erkranken.
Das geht aus einer Langzeitstudie über Zusammenhänge zwischen
Lebensstil, Immunsystem und Allergien hervor. Die Forscher hatten
Blutproben von 234 sechsjährigen Kindern untersucht und im
Zusammenhang mit Umzug oder Trennung der Eltern erhöhte
Blutkonzentrationen des Stresspeptides VIP (Vasoaktives
intestinales Peptid) gefunden. Der Botenstoff VIP aus der Gruppe
der Neuropetide könnte eine Vermittlerrolle zwischen
Stressereignissen im Leben und der Immunregulation einnehmen.
Dass Stressereignisse einen Einfluss auf die Entwicklung von
allergischen Krankheiten haben können, war bereits länger
bekannt. Die zugrunde liegenden Mechanismen galten aber lange
Zeit als ungeklärt. In der jetzt veröffentlichten Studie wurden
erstmals Stressereignisse in den frühen Lebensjahren innerhalb
einer großen epidemiologischen Studie mit Hilfe von Immunmarkern
und Neuropeptiden untersucht. Offenbar spielt das Immunsystem
eine Vermittlerrolle zwischen Stress auf der einen Seite und
allergischen Krankheiten auf der anderen Seite ( Pediatric
Allergy and Immunology; doi: 10.1111/j.1399-3038.2008.00727.x).
Wenig Schlaf- mehr Probleme
Schlaf ist wichtig für die Entwicklung eines Kindes. In einer
Studie wurden die Daten von 2076 Kindern und Jugendlichen
analysiert, die zu Beginn der Studie zwischen 4 und 16 Jahren alt
waren. Zu diesem Zeitpunkt machten deren Eltern Angaben über das
Verhalten und das Schlafmuster ihres Nachwuchses. 16 Jahre
später- das Alter der Probanten lag nun zwischen 18 und 32
Jahren- gaben sie selber Auskunft über ihre psychische
Verfassung. Diejenigen, die als Kinder wenig geschlafen hatten,
zeigten dabei häufiger Symptome wie Depessionen, Ängste und
aggressives Verhalten. Eine überdurchschnittlich lange
Schlafdauer und Albträume zeigten hingegen keinen Einfluß
darauf. Das Schlafverhalten spielt eine große Rolle für die
Entwicklung des Kindes und die Kinderärzte sollen ein Augenmerk
darauf haben. Manche Probleme stellen Risikofaktoren für
spätere Verhaltensschwierigkeiten dar, andere offenbar nicht (Arch
Pediatr Adolesc Med. 2008; 162(4):330-335).
Stillen macht Kinder schlau
Eine Studie aus Weißrussland liefert den bisher überzeugendsten
Beleg dafür, dass Stillen die geistige Entwicklung von Kindern
fördert. Demnach haben Stillkinder im Grundschulalter einen um
mehrere Punkte höheren Intelligenzquotienten. Darauf lässt
zumindest eine Studie aus Weißrussland mit fast 14 000 Kindern
schließen. Die Kinder kamen in 31 Geburtskliniken des Landes zur
Welt. Ein Teil der Mütter wurde aufgefordert, ihre Kinder weit
über drei Monate hinaus zu stillen, der andere Teil beendete das
Stillen frühzeitig. Fast sieben Jahre später schnitten die lang
gestillten Kinder in Sprachtests und Tests praktischer
Fähigkeiten deutlich besser ab als jene, die früh abgestillt
wurden. Muttermilch enthält nicht nur notwendige langkettige
Fettsäuren, die bei der Hirnentwicklung als Bausteine benötigt
werden. Sie liefert mit dem Wachstumsfaktor ILGF 1 (insulin-like
growth factor I) möglicherweise auch die notwendigen
Impulse für die Hirnentwicklung. Vorstellbar ist auch, dass
andere Faktoren wie der enge Kontakt der Mutter zum Kind sich
positiv auf die Kommunikationsfähigkeiten der Kinder auswirken.
Denn die größten Unterschiede bestanden in der sprachlichen
Intelligenz (Arch Gen Psychiatry 65, 2008, 578- 584).
Babyschwimmen erhöht Asthmarisiko geringfügig
Mütter mit Allergien oder Asthma sollten ihre Kinder nach
Ansicht von Forschern des Norwegian Institute of Public Health (NIPH)
nicht zum Babyschwimmen anmelden. Bei Säuglingen erhöhe dies im
ersten halben Lebensjahr das Risiko, später Atemstörungen zu
entwickeln. Der aktuellen Studie des NIPH liegen Daten zu rund 30.000
Teilnehmern an der Norwegian Mother and Child Study zugrunde.
Etwa ein Viertel der Kinder hatte im Alter von null bis sechs
Monaten an Babyschwimmkursen teilgenommen. Die meisten dieser
Kinder zeigten keine erhöhtes Auftreten von Infektionen der
unteren Atemwege, Mittelohrentzündungen oder Atemwegserkankungen.
Insgesamt lag der Anteil von Studienteilnehmern, die ein
Engegefühl der Brust oder Keuchen angaben bei 40 Prozent. Bei
allergischen oder asthmatischen Müttern waren es 44 Prozent für
Kinder, die nicht am Babyschwimmen teilnahmen und 47 Prozent bei
den Babyschwimmern. Die Differenz ist nicht groß, dennoch zeigt
sie eine Tendenz zu Atemwegsproblemen an. Die Forscher vermuten,
dass Chlor und weitere Atemwegsreizstoffe die Atemwegsschleimhaut
schädigen und somit die Entwicklung von Erkrankungen wie Asthma
begünstigen (Acta Paediatrica 2008; 97: 657-662).
Entfernung der Rachenmandeln verbessert keine
Verhaltensstörungen
Vergrößerte Rachenmandeln beeinträchtigen Atmung, Schlaf und
Lebensqualität und werden immer wieder mit Verhaltensstörungen
in Verbindung gebracht, insbesondere mit Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätsstörungen
und übersteigerten Trotzreaktionen. Im Schlaflabor einer
kanadischen Kinderklinik wurden 138 Kinder mit nächtlichen
Atempausen (Apnoen) untersucht. Bei 84 Kindern wunde eine
Entfernung der Rachen- und Gaumenmandeln durchgeführt; 52 Kinder
dienten als Vergleichsgruppe. Vor der Untersuchung im Schlaflabor
und ca. 4 Jahre später wurden Beschwerdebild und
Verhaltensstörungen in einem strukturierten Fragebogen ( CPR-2)
erfasst. Bei 70- 90% der operierten Kinder und bei 10- 25% der
nicht operierten Kinder verbesserten sich Atmung, nächtliches
Schnarchen und allgemeine Lebensqualität. Die mit der Conners-Skala
erfaßten Aufmerksamkeints-Hyperaktivitätsstörungen und
Trotzreaktionen änderten sich dagegen nicht (J Pediatr 150: 540-546).
Jodversorgung von Kindern verbessert
Die Jodversorgung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland ist
besser geworden. Das ergibt das sogenannte Jodmonitoring
innerhalb der Studie zur Gesundheit von Kindern und
Jugendlichen in Deutschland KiGGS-Studie des Robert-Koch-Instituts.
Bei der Untersuchung bestimmten Ärzte bei mehr als 17.000
Kindern und Jugendlichen mittels Ultraschall die Größe der
Schilddrüse. Außerdem untersuchten sie das Blut und maßen die
Jodausscheidung über den Urin. 36 Prozent der sechs bis 17-Jährigen
hatten danach noch eine geringe Vergrößerung ihrer Schilddrüse
infolge Jodmangels. Dies stellt zu diesem Zeitpunkt zwar noch
keine Erkrankung dar, zeigt aber, dass die Jodversorgung noch
nicht ausreichend ist. Die Messung der Jodausscheidung über den
Urin ergab, dass die meisten Kinder und Jugendlichen in
Deutschland die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
vorgegebenen Ausscheidungswerte zwar erfüllen, diese sich aber
an der untersten Grenze bewegen. Bei etwa 40 Prozent der Kinder
und Jugendlichen ist die Jodversorgung jedoch noch nicht
zufriedenstellend, 17 Prozent sind deutlich unterversorgt. Als
Fazit aus den Studienergebnissen kann man ableiten, dass die
bisher ergriffenen Jodierungsmaßnahmen erfolgreich waren. Dazu
hat vor allem Jodsalz beigetragen, das derzeit mehr als 80
Prozent der Haushalte und viele Großküchen, Bäckereien und
Fleischereien verwenden.
Wie Werbung den Geschmack von Vorschulkindern beeinflusst
Kinder sind besonders empfänglich für Werbebotschaften. Fast
allen schmeckt Fastfood-Nahrung, aber auch hochwertigere
Nahrungsmittel besser, wenn auf der Verpackung das Emblem einer
bekannten Fastfood-Kette prangte. Die Kinder waren umso
empfänglicher, je mehr sie der Werbung und dem Marketing
ausgesetzt waren. Vorschulkindern im Alter von 3 bis 5 Jahren
wurden Menüs aus fünf Paaren von identischen Nahrungsmitteln
angeboten. Sie enthielten die bekannten Chicken
Nuggets, Hamburger und Pommes
frites, aber auch Möhrchen und als Getränk
Milch beziehungsweise Apfelsaft, also
höherwertige Nahrungsmittel, wurden angeboten. Auf der
Verpackung prangten entweder die beiden goldenen Bögen der
weltgrößten Fastfood-Kette oder aber sie waren neutral verpackt.
Nach dem Mahl sollten die Vorschulkinder sagen, was ihnen besser
geschmeckt habe. In vier von fünf Produkten entschieden sich
deutlich mehr Kinder für den Markenartikel, obwohl
die Nahrungsmittel identisch mit denen in der neutralen
Verpackung waren. Das war auch bei Möhrchen und Milch der Fall.
Auch hier verfehlte das Logo auf der Verpackung seine Wirkung
nicht. Nur beim Hamburger war der Unterschied nicht so deutlich.
Ernährungsexperten, welche die zunehmende Adipositas bei Kindern
mit deren Medienkonsum in Verbindung bringen, dürften sich durch
die Studie in ihren Befürchtungen bestätigt fühlen. Denn die
Präferenzen für die Produkte der Hamburgerkette waren umso
stärker ausgeprägt, je mehr Fernseher sich im Haushalt befanden
und je häufiger eines dieser Geräte im Kinderzimmer stand, was
häufig einen unkontrollierten Medienkonsum signalisiert (Archives
of Pediatrics & Adolescent Medicine 2007; 161: 792-797).
Katzenhaare reizen Atemwege auch bei Nicht-Allergikern
Das Katzenhaar-Allergen Fel d1 reizt die Atemwege von Atopikern
auch dann, wenn sie gar nicht auf Katzenhaare allergisch sind.
Als Atopiker werden Menschen bezeichnet, die eine erhöhte
Allergieneigung haben. Meistens reagieren sie im Hauttest auf das
eine oder andere Allergen positiv und der Nachweis spezifischer
IgE-Antikörper bestätigt dann die Sensibilisierung. Zu den
häufigsten Allergenen gehört Fel d1, ein von den Talgdrüsen
der Katze produziertes Glykoprotein. Forscher haben nun
untersucht, welchen Einfluss ein Nachweis von IgE-Antikörpern
auf Fel d1 auf den Metacholintest hat, der allgemein die
bronchiale Hyperreagibilität, also etwas vereinfacht
die Asthmaneigung misst. Bei den Patienten, die eine
Sensibilisierung auf Fel d1 aufwiesen, hatten die Forscher eine
vermehrte bronchiale Hyperreagibilität vermutet. Diese bestand
jedoch auch bei Atopikern, die gar nicht auf Katzenhaar
sensibilisiert waren. Auch Menschen, die auf andere Allergene (Hausstaubmilbe,
Schimmelpilz oder Wiesenlieschgras) sensibilisiert waren, zeigten
eine deutliche bronchiale Hyperreagibilität auf Fel d1, ein aus
allergologischer Sicht überraschender Befund. Er würde, wenn er
durch weitere Studien bestätigt würde, bedeuten, dass ein
Viertel der Bevölkerung auf Katzen empfindlich reagiere (American
Journal of Respiratory and Critical Care Medicine 2007; 176: 20-26).
Kopflausbefall
Kopflausbefall hat nichts mit fehlender Sauberkeit zu tun.
Ursache sind vielmehr enge zwischenmenschliche Kontakte,
hauptsächlich "von Haar zu Haar", insbesondere in
Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder und Jugendliche. Die
Verbreitung kann durch mangelnde Kooperation oder unzureichende
Behandlung begünstigt werden. Eltern sind nach dem
Infektionsschutzgesetz (§ 34 Abs. 5) verpflichtet, der
Gemeinschaftseinrichtung, die ihr Kind besucht, Mitteilung über
einen beobachteten Kopflausbefall zu machen. Das rasche Erkennen
und Behandeln eines Kopflausbefalls und die Mitteilung darüber
sind eine Voraussetzung für die erfolgreiche Verhütung und
Bekämpfung in der Einrichtung. Die Erziehungsberechtigten
sollten auch die Durchführung der Behandlung bestätigen. Ein
ärztliches Attest der Bestätigung des Behandlungserfolges ist
zur Wiederzulassung nicht erforderlich. Die Leitung einer
Gemeinschaftseinrichtung ist gemäß Infektionsschutzgesetz
verpflichtet, das Gesundheitsamt über einen Kopflausbefall zu
benachrichtigen. Eine optimale Behandlung besteht nach heutiger
Auffassung in der Kombination mechanischer, chemischer und
physikalischer Wirkprinzipien. Am Tag der Diagnose (Tag 1) soll -
unter genauer Beachtung aller Hinweise der Hersteller - mit einem
geeigneten Insektizid behandelt werden. Weil bis zum 7. bzw. 8.
Tag noch Larven nachschlüpfen und ab dem 11. Tag junge Weibchen
bereits neue Eier ablegen können, ist eine
Wiederholungsbehandlung am Tag 9 oder 10 dringend erforderlich.
Ergänzend wird mehrfaches nasses Auskämmen empfohlen: Eine
Studie zeigte, dass "nasses" Auskämmen mit
Haarpflegespülung und Läusekamm in vier Sitzungen an den Tagen
1, 5, 9 und 13 bei 57 % der behandelten Kinder zur Entlausung
führte. Mögliche Fehler in der Behandlung, die das Überleben
von Eiern, Larven oder Läusen begünstigen, sind zu kurze
Einwirkzeiten, zu sparsames Ausbringen des Mittels, eine
ungleichmäßige Verteilung des Mittels, eine zu starke
Verdünnung des Mittels in triefend nassem Haar oder das
Unterlassen der Wiederholungsbehandlung.
Verschimmelte Wohnungen als Asthmarisiko für Kleinkinder
Durchfeuchtete Wohnungen, insbesondere aber ein sichtbarer
Schimmelpilzbefall, sind nach den Ergebnissen einer Fall-Kontroll-Studie
mit einem erhöhten Asthmarisiko bei Kindern assoziiert. In
Finnland wäre demnach jede fünfte Asthmaerkrankung bei
Kleinkindern die Folge schlechter Wohnraumbedingungen. In dieser
Studie wurden alle Wohnungen von 121 Kindern, die im Alter von 12
bis 84 Monaten an Asthma erkrankten, von ausgebildeten
Ingenieuren aufgesucht. Diese begutachteten systematisch alle
Zimmer. Geschaut wurde, wo sich Feuchtigkeit an den Wänden
gebildet hatte, wo Kondensationsspuren sichtbar waren, sich
Tapeten verfärbt oder abgelöst hatten und so weiter. Außerdem
wurde darauf überprüft, ob die Kinder mindestens 75 Prozent
ihrer Lebenszeit oder wenigstens 2 Jahre an der angegebenen
Adresse gewohnt hatten. Als Ergebnis der Studie zeigte sich, dass
das Ausmaß der Wohnungsdurchfeuchtung und sichtbarer
Schimmelbefall das Risiko auf eine Asthmaerkrankung um den Faktor
zwei bis drei erhöht. Ausschlaggebend war der Schimmelbefall in
dem Viertel der Wohnung, in dem sich die Kinder bevorzugt
aufhielten, vor allem aber im Schlafzimmer der Kinder ( European
Respiratory Journal 2007: 29: 509-515).
Allergische Kinder haben höheres Risiko für Asthma bronchiale
Kinder, die allergische Reaktionen entwickeln und in ihren ersten
3 Lebensjahren unter Giemen leiden, neigen eher zu asthmatischen
Erkrankungen. Einige Kinder mit beständigem Giemen verlieren
zwischen Geburt und Schulalter ihre normale Lungenfunktion und
entwickeln Asthma, andere jedoch nicht. Bislang war unklar,
welche Faktoren hierfür bestimmend sind und welches Kind
erkrankt. Risikofaktoren für eine Empfindlichkeit gegen
Allergene sind hohe IgE-Antikörperspiegel im Nabelschnurblut und/
oder wenigstens zwei allergenempfindliche Verwandte ersten Grades.
Durch Befragung wurde nun festgestellt, dass 90% der Kinder mit
wiederholtem Giemen, jedoch ohne Anfälligkeit für Allergien,
ihre Symptome im Schullater verloren und in der Pubertät normale
Lungenfunktionen beibehielten. Kinder mit wiederholtem Giemen und
während der ersten 3 Lebensjahre einsetzenden Allergien neigten
jedoch zu verringerter Lungenfunktion und asthmatischer
Erkrankung. Ausserdem wurde festgestellt, dass eine hochdosierte
allergene Belastung zur Entwicklung von Asthma beitrug. Kinder
vermindert Allergenen auszusetzen, kann aber Asthma nicht
verhindern (Lancet 2006; 368: 763-770).
Allergie und Haustierhaltung
In der neuen S3-Leitlinie zur Allergievorbeugung wird auch zum
Thema Haustierhaltung Stellung bezogen. Die wichtigsten Aussagen
können so zusammengefasst werden: Personen ohne erhöhtes
Allergierisiko brauchen aus Präventionsgründen nicht auf ein
felltragendes Haustier zu verzichten. Die Anschaffung von
Felltieren als Vorbeugungsmaßnahme ist jedoch nicht zu empfehlen.
Die Haltung eines Hundes scheint nicht mit einem erhöhten
Allergierisiko einher zu gehen. Die Haltung einer Katze oder auch
von Nagetieren (Meerschweinchen, Kaninchen) sollte in Haushalten
mit allergiebelastenden Personen unterbleiben. Patienten mit
einer manifesten Allergie gegen ein Haustier müssen das Haustier
abschaffen (AllergoJ 2004;13: 252-60).
Händewaschen senkt das Auftreten von Infektionserkrankungen
In der Welt sterben jährlich 3- 5 Millionen Kinder unter 5
Jahren an Durchfall- und Atemwegserkrankungen. In den
Elendsvierteln von Karachi in Parkistan wurden 906 Familien nach
dem Zufallsprinzip einer von 3 Gruppen zugeordnet: Gruppe A mit
Wasch- und Badeanleitung und Versorgung mit Seife, Gruppe B mit
Wasch- und Badeanleitung und Versorgung mit antibakterieller
Seife und Kontrollgruppe C ohne Anleitung mit Büchern und Heften
statt Seife. Die Familien wurden über ein Jahr wöchentlich
besucht, mit neuer Seife versorgt und nach Luftwegsinfekten,
Durchfallerkrankungen und infektiösen Hautausschlägen befragt.
In den Haushalten lebten insgesamt 4691 Kinder im Alter von 0- 15
Jahren. Im Beobachtungszeitraum erlitten Kinder der Gruppe A und
B 50 % weniger Lungenentzündungen, 53% weniger
Durchfallerkrankungen und 34% weniger bakterielle
Hautveränderungen als Kinder der Kontrollgruppe C. Zwischen
Gruppe A und B fanden sich keine signifikante
Häufigkeitsunterschiede (Lancet, 2005, 366, 225-233).
Übergewichtige Jugendliche
Wer als Jugendlicher Übergewicht hat, legt damit wahrscheinlich
einen Grundstein für einen Herzinfarkt und Schlaganfall. Eine
niederländische Studie hatte bei 750 Erwachsenen im Alter von 27
bis 30 Jahren die Wand der Halsschlagader untersucht. Als die
Wissenschaftler die Messergebnisse in Beziehung zum Gewicht der
Studienteilnehmer im Alter von 13 Jahren gesetzt hatten, wurde
deutlich, dass je schwergewichtiger die Studienteilnehmer in der
Pubertät gewesen waren, desto dicker war die Wand der
Halsschlagader als Erwachsene. Eine Verdickung des Gefäßes gilt
als Zeichen für eine beginnende Arteriosklerose. Diejenigen die
seit ihrer Jugend permanent Übergewicht hatten, zeigten die
schlechtesten Messergebnisse. Eltern sollten also tunlichst
darauf achten, daß ihre Kinder nicht zu dick werden.
Allergiker leiden unter dem Klimawandel
Nach Feststellung der Meteorologen steigen die Temperaturen auf
der Erde. Spätestens der Sommer 2003 mit seinen Hitzerekorden
machte allen klar, was Klimaerwärmung bedeutet. Daß es nun auch
im Winter wärmer wird, belegen die Ergebnisse verschiedener
Meßstationen. Seit der Saison 1988/1989 registieren die
Meßstationen gehäuft sehr milde Winter mit
Durchschnittstemperaturen von zwei bis vier Grad über den
üblichen Werten. Für viele Allergiker verlängert sich dadurch
die Leidenszeit. Denn in milden Wintern beginnen Bäume wie
Haselnuß, Erle und Birke eher zu blühen. In den letzten Jahren
ließen Hasel und Erle ihre Pollen bereits Ende Januar fliegen.
Vor 20 Jahren lag der Beginn der Blüte etwa 20 Tage später.
Menschen die auf Baumpollen allergisch reagieren, entwickeln
deshalb schon im Winter einen Heuschnupfen oder Asthmasymptome.
Internetnutzer können die Pollenflugvorhersage unter www.wetter.com oder unter www.donnerwetter.de/pollen abrufen.
Probiotika und Allergievorbeugung
In den letzten Jahrzehnten stiegen die Neuerkrankungen
allergischer Krankheitsbilder im Kindes- und Jugendalter ständig
an. Es gibt etliche Ansätze zu deren Vorbeugung, aber nur wenige
davon sind nicht umstritten. Dazu gehören der Rauchverzicht der
Mutter und das Stillen des Kindes. Eine Veröffentlichung im
renommierten Lancet hat im Jahr 2001 für großes Aufsehen
gesorgt, in der gezeigt wurde, daß das probiotische
Milchsäurebakterium Lactobacillus GG von Geburt an eine
Neurodermitis vorbeugen kann. Diese Schutzwirkung hält lange
über das Säuglingsalter hinaus an, wie finnische
Wissenschaftler jetzt nachwiesen. Die Kinder, die an der ersten
Studie teilgenommen hatten, wurden im Alter von 4 Jahren erneut
untersucht. Die aktuell veröffentlichten Ergebnisse zeigen, daß
der vorbeugende Effekt von Lactobacillus GG auch 4 Jahre später
noch anhält. Es scheint somit nach dieser Studie möglich zu
sein, durch die frühzeitige Gabe von Lactobacillus GG eine
Neurodermitis nachhaltig vorzubeugen (Lancet 2003;361: 1869-70).
Stillen schützt vor Asthma
Wie groß ist der Einfluss von Stillen in einem Industrieland auf
die Gesundheit von Kindern? Kann es die Erkrankungsrate,
verursacht durch Atemwegserkrankungen, insbesondere durch RSV-Infektionen
und Asthma, wirklich verringern? Diesen Fragen gingen
australische Forscher des Institute for Child Health, West Perth,
in einer prospektiven Kohortenstudie nach (Arch Dis Child 2003;
88:224-228). Ein Jahr lang wurde beobachtet, ob und wie 2.602
lebend geborene Säuglinge gestillt wurden und ob sie an
Erkrankungen der Atemwege litten. Tatsächlich verringert Stillen
die Anzahl der Atemwegserkrankungen , besonders wenn es lange und
konsequent genug durchgeführt wird. Besonders viel versprechend
ist, daß schwere brochialverengende Erkrankungen der unteren
Atemwege, wie Asthma, Bronchiolitis und Bronchospasmus bei
ausreichend gestillten Säuglingen seltener sind. Analog den WHO-Empfehlungen
raten die Autoren jungen Müttern, sechs Monate voll bzw.
überwiegend zu stillen und bis Ende des ersten
Jahres die Muttermilch neben der Beikost nicht abzusetzen.
Erst Schreikind, dann Zappelphilip
Häufig wird in der frühkindlichen Krankengeschichte von
hyperaktiven Kindern über Schreien, Ess- und Schlafstörungen
berichtet. Ein englisches Autorenteam (Pediatrics 2002;109:1054-60)
ging deshalb der Frage nach, ob Schreibabys automatisch ein
erhöhtes Risiko haben, sich zu hyperaktiven Kindern zu
entwickeln. Die prospektive Studie untersuchte 53 Kinder im Alter
zwischen 8 und 10 Jahren, die als Babys in den ersten 6
Lebensmonaten anhaltendes Schreien ohne erkennbare Ursache für
mehr als 3 Stunden am Tag und mindestens 3 Tage pro Woche über
mindestens 3 Wochen gezeigt hatten. Als Vergleichsgruppe wurden
gleichaltrige Mitschüler ohne ständiges Schreien im ersten
Lebensjahr herangezogen. In der Schreikindergruppe zeigten 18,9 %
der Kinder ein hyperaktives Verhalten im Vergleich zu 1,6% in der
Kontrollgruppe. Außerdem waren ihre Schulleistungen signifikant
schlechter als bei den Kindern ohne hyperaktives Verhalten. Unter
den Schreikindern fanden sich auch mehr Verhaltensprobleme.
Außerdem litten 45,3% der Schreikinder zusätzlich an Schlaf-
und Fütterungsproblemen im ersten Lebensjahr.
Asthma bronchiale und Sport
Es ist eine Volksweisheit, daß sich Kinder viel bewegen sollen,
um eine gute körperliche und geistige Entwicklung zu fördern.
Dies gilt ganz besonders für asthmakranke Kinder. Diese Tatsache
wird von vielen Eltern und Lehrern nicht verstanden oder nicht
ausreichend umgesetzt. Man geht davon aus, daß bis zu 40 Prozent
der asthmakranken Kinder vom Schulsport befreit werden. Alle
Beteiligten sind im Umgang mit asthmakranken Kindern durch
Unsicherheit geprägt. Im Schulsport erfahren diese Kinder
oftmals nicht die angemessene Berücksichtigung und Hilfestellung,
um sich aktiv am Unterricht zu beteiligen. Sportlehrer sind oft
nicht ausreichend über das Krankheitsbild informiert. Eltern
möchten ihren Kindern helfen und sie vor unnötigen Risiken
schützen. Das asthmakranke Kind hat oft nicht genügend
Selbstvertrauen, alle Anforderungen, die im Sportunterricht
gestellt werden, zu erfüllen. Versagensängste führen oft zu
Vermeidungsverhalten. Hierzu kommt, daß viele Sporthallen
staubig und milbenhaltig sind, und dies kann bei allergischem
Asthma bronchiale zusätzlich akute Atemnotfälle auslösen. Die
Eltern asthmakranker Kinder sollten darauf achten, daß ihre
Kinder ausreichend körperliche Betätigung finden. Auch eine
Trendsportart wie z.B. Inlineskating ist bestens geeignet, um den
Kindern den Spaß an der Bewegung zu erhalten. Dabei ist das
Training wichtig, um den Anschluß und den Kontakt zu
Gleichaltrigen zu halten. Zudem schützt eine gute Kondition vor
Anstrengungsasthma. Eine gut ausgeprägte Koordinationsfähigkeit
ist für die Entwicklung des Kindes von besonderer Wichtigkeit.
Der gezeilte Einsatz von Bewegungsabläufen spielt eine große
Rolle, um Atemnotanfällen vorzubeugen.
Allergieschutz
Kinder, die in ländlicher Umgebung aufwachsen, haben ein
niedrigeres Risiko für allergische Erkrankungen. Dabei scheint
es auch eine Rolle zu spielen, wie früh diese Einflüsse wirksam
werden. Im Rahmen einer Querschnittstudie in ländlichen Gebieten
wurden Eltern Fragen zum Auftreten von Heuschnupfen, Asthma
bronchiale und Neurodermitis gestellt. Einigen Kindern wurden
auch Blutproben entnommen und auf Antikörper gegen geläufige
Allergene untersucht. Wie sich herausstellte, erkrankten Kinder,
die schon vor ihrem ersten Geburtstag Stallkontakt hatten und
danach frische Milch vom Bauernhof tranken deutlich seltener an
Asthma bronchiale, Heuschnupfen und einer allergischen
Sensibilisierung als Kinder, bei denen dies später der Fall war.
Der Asthma-schützende Effekt war dabei unabhängig vom Einfluß
auf die allergische Sensibiliiserung. Am seltensten erkrankten
Kinder, die sich bis zum fünften Lebensjahr kontinuierlich in
bäuerlicher Umgebung aufhielten.
Allergietherapie
Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) kann vor
allem bei frühzeitigem Behandlungsbeginn ab dem 5. Lebensjahr
den fortschreitenden Verlauf allergischer Atemwegserkrankungen
aufhalten. Durch diese Therapie kann das Risiko zusätzlicher
Sensibilisierugen und die Verschlechterung der Symptomatik
vermindert werden. Es gibt eine enge Verzahnung von Allergien der
oberen und unteren Atemwege. Typischerweise erkranken die Kinder
zunächst an Heuschnupfen und später an Asthma. Daher verwundert
es auch nicht, daß die spezifische Immuntherapie auch bei beiden
Erkrankungsformen ursächlich hilft und einem Fortschreiten der
Erkrankungen entgegenwirkt. Indiziert ist die spezifische
Immuntherapie bei mittelschwerer bis schwerer allergisch
bedingter Heuschnupfensymtomatik. Interveniert werden sollte
möglichst früh, sobald die Symptome länger als vier Wochen
dauern. Auch bei allergischem Asthma bronchiale sollt möglichst
früh behandelt werden. Indiziert ist dabei die spezifische
Immuntherapie bei gleichzeitigem Vorliegen eines Heuschnupfens
und bei leichter bis mittelschwerer Symptomatik.
Feuchte Wohnung - Allergie?
Bei einer Untersuchung von Kilpelainen (Thorax 2001;56:462-7)
fand sich eine erhöhte Asthmarate bei Studenten aus feuchten
oder schimmeligen Wohnungen. Auch litten Allergiker aus solchen
Wohnungen häufiger an Schnupfen und Neurodermitis als
vergleichbare Studenten in trockenen Wohnungen. Feuchte Wohnungen
erhöhen daneben auch die Zahl der unspezifischen Infekte. Die
Autoren führen diese Befunde im Wesentlichen auf die vermehrte
Schimmelbildung und den erhöhten Milbenbestand in feuchten
Wohnungen mit entsprechend erhöhter Allergisierungsrate zurück.
Möglicherweise schädigen Sporen und flüchtige Ausdünstungen
von Schimmelpilzen die empfindlichen Schleimhäute der
allergiekranken Studenten zusätzlich.
Entfernung von Zecken
Die frühere Empfehlung, die Zecke durch Vaseline, Öl, Nagellack
oder Klebstoffe zu ersticken, gilt heute nicht mehr. Man hat
nachgewiesen, daß bei diesem Vorgehen vermehrt Speichel der
Zecke in die Stichwunde gelangt und das Übertreten von
Krankheitserregern sogar begünstigt wird. Bei der Entferung der
Zecke mit Hilfe einer speziellen Zange darf die Zecke auf keinen
Fall zerquetscht werden, weil dadurch die möglichen Erreger
regelrecht in die Haut gepreßt werden. Es kommt vielmehr darauf
an, die Zecke schonend von der Haut zu entfernen, ohne sie in
Stress oder Todesangst zu versetzen. Bei solchen Manipulationen
kommt es bei der Zecke zum Hochwürgen von Darminhalt, was mit
vermehrter Ausscheidung der Krankheitserreger durch den Speichel
verbunden ist. Besser geeignet ist das tangentiale Abschaben mit
dem Messer oder das Herausheben mit einer desinfizierten
Stecknadel. Selbstverständlich ist die schonende Entfernung mit
einer speziellen Zeckenpinzette auch möglich.
Der plötzliche Säuglingstod (SID)
Der plötzliche Säuglingstod ist nach wie vor die häufigste
Todesursache im ersten Lebensjahr jensseits der Neugeborenenzeit;
seine Ursache ist weiterhin unklar. Mit der weitgehenden
Vermeidung der Bauchlage ist es in Deutschland zu einem Rückgang
der SID-Todesfälle um circa 50% gekommen. In Nachbarländern wie
Holland konnte jedoch ein Rückgang um circa 90% ereicht werden.
Der Grund liegt vermutlich darin, dass dort noch intensiver als
in Deutschland vor weiteren Risikofaktoren gewarnt wurde.
Folgende Empfehlungen an Eltern sind durch epidemiologische
Studien gesichert: Das Kind zum Schlafen auf den Rücken legen.
Kühl ist besser.16 bis 18° C Raumtemperatur und eine dünne
Decke oder ein Schlafsack sind genug. Darauf achten, dass das
Kind nicht mit dem Kopf unter die Bettdecke rutschen kann. Kissen
und anderes gehören nicht ins Säuglingsbett. Das Kind bei sich
im Schlafzimmer, aber im eigenen Bett schlafen lassen. Auf
rauchfreie Umgebung für das Kind achten. Solange stillen, wie es
möglich ist. Nimmt das Kind einen Schnuller, so sollte es diesen
zu jedem Schlaf bekommen.
Chronische Verstopfung
Die Behandlung der chronischen Verstopfung im Kindesalter ist
eine Herausforderung für den Kinder- und Jugendarzt und
erfordert viel Durchhaltevermögen. Die notwendige Umstellung der
Ernährung sowie Trink- und Toilettengewohnheiten kann nur durch
enge Einbindung der Eltern und der kleinen Patienten selbst
erfolgreich sein. Bei der Behandlung sind folgende Punkte zu
beachten: Kostumstellung: Erlaubt sind Vollkornprodukte (Vollkorn-
oder Knäckebrot), frisches Obst, frisches Gemüse, Salate,
Weizenkleie, Dörrpflaumen Verboten sind Weißbrot, Brötchen,
überzuckerte Obstsäfte, Kuchen, Süßigkeiten, überfette Milch,
übermäßiger Fleischgenuß Regelmäßiger Toilettenbesuch in
gemütlicher Umgebung( Fußbank, Bilderbücher, Kasettenrecorder)
Viel Sport und Bewegung, Massage Ärztlich verordnete Maßnahmen
wie Gabe von Lactulose Sirup und Obstinol Sirup und Gabe von
Klistieren durchführen Stuhlkalender führen und täglich
eintragen Die Behandlung kann bis zu sechs Monaten dauern!
Passivrauchen
Tabakrauch ist der bedeutendste und gefährlichste
Innenraumschadstoff. Viele seiner gesundheitsschädlichen
Inhaltsstoffe sind höher konzentriert im Nebenstromrauch zu
finden, der unfreiwillig in der Umgebung eines Rauchers
eingeatmet wird, als im Hauptstromrauch, den der Raucher selbst
inhaliert. Daher leiden auch Nichtraucher (Kinder) unter
Folgeschäden des Rauchens. Die Weltgesundheitsorganisation
schätzt, dass allein in Europa 500000 Atemwegserkrankungen pro
Jahr vermeidbar wären, könnten Kinder wenigstens zu Hause in
einer rauchfreien Umgebung leben. Wenn also über die Vorbeugung
von Atemwegserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen gesprochen
wird, gehört das Thema Passivrauchen dazu. Die
gesundheitsschädlichen Folgen für Ungeborene, Säuglinge, Klein-
und Schulkinder durch Passivrauchen sind belegbar. Das Risiko
für Mittelohrerkrankungen bei Kleinkindern, Bronchitis und
Asthma bronchiale bei Klein- und Schulkindern und den
plötzlichen Kindstod wird deutlich erhöht. Der Nebenstromrauch
enthält zahlreiche Krebs erregende Substanzen. Jede Schule
würde geschlossen werden, wenn aus der Bausubstanz derartige
Stoffe abgegeben würden. Warum wird gegen das Passivrauchen so
wenig unternommen? Weil mit der Tabakindustrie viel Geld zu
verdienen ist. Wer gibt das gerne auf. Und weil Nikotin ein
Suchtmittel ist, eine Droge, die abhängig macht.